Marin Mersenne
Marin Mersenne (* 8. September 1588 in Sountière bei Bourg d'Oizé (Maine/Frankreich); † 1. September 1648 in Paris) war ein französischer Mathematiker, Musiktheoretiker und Theologe.
Mersenne lernte von 1604 bis 1609 am Jesuitenkolleg von La Flèche zusammen mit Rene Descartes und studierte 1609 bis 1611 Theologie an der Pariser Sorbonne. Er wurde 1611 Franziskanermönch (Minorit) und gehörte ab 1609 in Paris zu deren Konvent.
Mersenne war ein wichtiger Vermittler von Informationen und Kontakten zwischen den Wissenschaftlern seiner Zeit, vor allem auch zwischen Mathematikern (z. B. Gilles Personne de Roberval und Pierre de Fermat), weil er ab 1623 viel Korrespondenz mit führenden Gelehrten hatte.
So hat er 1626 eine Textsammlung "Synopsis mathematica" zur Mathematik und Mechanik publiziert und Beiträge zur Akustik und Musiktheorie wie auch zur Optik geliefert. Er stellte eine Liste von Primzahlen Mp auf, von der er vermutete, dass die Beziehung
- Mp = 2p − 1
gilt, wobei p auch eine Primzahl ist. Zahlen mit dieser Eigenschaft nennt man heute Mersenne-Primzahlen. Die von ihm entworfene Liste enthielt jedoch Fehler und ist zudem nicht vollständig.
In der Akustik untersuchte Mersenne den Zusammenhang von Frequenz und Tonhöhe. Er fand dabei heraus, dass die Frequenz einer schwingenden Saite direkt proportional der Quadratwurzel aus der Spannkraft F und umgekehrt proportional der Saitenlänge l und der Quadratwurzel des Querschnitts q ist:
v ~ (1/l)(F/qρ)^½
Mersenne maß auch den ersten Wert für die Schallgeschwindigkeit in Luft (nach Ullmann 1996; S. 2), in dem er die Zeit zwischen der Sichtung eines Mündungsfeuers und der Wahrnehmung des Schusses maß. Er erhielt den zu hohen Wert 448 m/s. In der "Harmonie Universelle" von 1636 versucht er erneut eine Messung mit einer anderen Methode: Er maß die Zeit, bis der Direktschall als Echo von einer in bekanntem Abstand stehenden Wand zurückkam, und erhielt so den Wert 316 m/s. Der korrekte Wert entspricht etwa 342 m/s.
Mersenne behandelte in seinem Buch Harmonie universelle die Affektenlehre.
Schriften
- Correspondance du P. Marin Mersenne, publiée et annotée par Cornelis de Waard, Bernard Rochot et Armand Beaulieu, 17 vol., Paris, CNRS, 1932-1988
- "Harmonicorum, libri XII : in quibus agitur de sonorum natura, causis, et effectibus ; de consonantiis, dissonantiis, rationibus, generibus, modis, cantibus, compositione, orbisque totius harmonicis instrumentis". Reprint der Ausgabe Paris 1648 ; Ed. aucta - Genève : Minkoff, 1972 ISBN 2-8266-0368-X
- "Harmonie universelle : Contenant la théorie et la pratique de la musique" Paris 1636, Reprint Paris: Centre nat. de la recherche scientifique, 1975
- "L'impiété des Déistes, athées et libertins de ce temps", Paris 1624, Faks. Stuttgart-Bad Cannstatt 1975
- "La vérité des sciences : contre les sceptiques ou pyrrhoniens", EA Paris 1625, Éd. et annot. par Dominique Descotes, Paris : Champion, 2003, 1025 p.
Literatur
- Hellmut Ludwig: Marin Mersenne und seine Musiklehre, Buchh. d. Waisenh., Halle/Saale 1935. 120 S. Notenbeispiele (Schriftenreihe: Beiträge zur Musikforschung 4)
- Albrecht D. Stoll: Figur und Affekt : zur höf. Musik u. zur bürgerl. Musiktheorie d. Epoche Richelieu, 2., durchges. Aufl. Tutzing : Schneider, 1981. 242 S. Noten. (Frankfurt (Main), Univ., Dissertation 1974) ISBN 3-7952-0197-7
- Ingo Negwer: Laute und Theorbe in Marin Mersennes Harmonie universelle : zur Aufführungspraxis frühbarocker Musik in Frankreich, Frankfurt am Main : Dt. Lautenges., 2000
- Dieter Ullmann: Chladni und die Entwicklung der Akustik von 1750-1860, Birkhäuser Verlag, Basel, 1996, S. 1ff.
Weblinks
- Literatur von und über Marin Mersenne im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- http://www.mathematik.ch/mathematiker/mersenne.php
- Brustbild-Portrait Marin Mersenne nach einem Faksimile
- Biographie bei MacTutor (Engl.)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mersenne, Marin |
| ALTERNATIVNAMEN | |
| KURZBESCHREIBUNG | Französischer Mathematiker, Musiktheoretiker und Theologe |
| GEBURTSDATUM | 8. September 1588 |
| GEBURTSORT | Sountière bei Bourg d'Oizé (Maine/Frankreich) |
| STERBEDATUM | 1. September 1648 |
| STERBEORT | Paris |

