August Ludwig von Schlözer

August Ludwig Schlözer, anonymes Porträt, 1779
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August Ludwig Schlözer, anonymes Porträt, 1779

August Ludwig Schlözer, ab 1803 von Schlözer (* 5. Juli 1735 in Gagstatt, heute zu Kirchberg an der Jagst, Württemberg; † 9. September 1809 in Göttingen, Niedersachsen) war ein deutscher Historiker, Philologe, Pädagoge und Statistiker der Aufklärung.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Schlözer entstammte einer alten, ursprünglich aus der Grafschaft Hohenlohe stammenden Pfarrersfamilie, deren direkte Stammreihe mit Hans Schletzer begann, urkundlich 1566-1583 erwähnt, Bauer in Groß-Hirschbach bei Neuenstein (Hohenlohe).

August Ludwig Schlözer wurde vom russischen Zaren Alexander I. für seine Verdienste um die russische Geschichtsschreibung mit Verleihung des Sankt-Wladimir-Ordens 4. Klasse im September 1803 in den russischen erblichen Adelsstand erhoben worden. Die russische Wappenbestätigung erfolgte am 28. Dezember 1803, das Adelsdiplom wurde am 30. Mai 1804 ausgestellt.

Seine Tochter Dorothea Schlözer galt als Wunderkind und wurde mit 17 Jahren als erste Frau zum Dr. phil. promoviert.

Sein Enkel war der kaiserlich deutsche Diplomat Kurd von Schlözer (1822-1894).

Leben

Er wurde (endgültig erst nach seiner Rückkehr aus Russland) Professor für Universalgeschichte und Staatswissenschaften an der Universität Göttingen und Professor für Geschichte (sein spezielles Fachgebiet "Nordische Geschichte") in St. Petersburg (1761-1765 am Hofe Katharinas II., die ihn aufgrund seiner umfangreichen Arbeit auf dem Gebiet der statist. Erhebung zum ordentl. Mitglied der Akademie berief; 1766 weiterer Aufenthalt in St.-Petersburg). Sein seit 1775 in Göttingen herausgegebenes Nachrichtenblatt „Stats-Anzeigen“ (mit diesem Titel wurde die Schrift erst nach 1793 - Französische Revolution - publiziert), das er mit Hilfe eines breiten Korrespondentenkreises (aus verschiedenen Ländern) publizierte, machte ihn europaweit bekannt (Besondere Beachtung fanden seine Schriften in der Habsburgermonarchie im besonderen bei den protestantischen Jungaristokraten und Mitgliedern der Jakobinerbewegung in Ungarn). Die Inhalte des Blattes waren geprägt von den Ideen der Aufklärung. Im Artikel „Abermaliger Justizmord in der Schweiz“, der in den „Stats-Anzeigen“ nachgedruckt wurde, prägte er das deutsche Wort „Justizmord“. Im Artikel kritisierte Schlözer einen Hexenprozess im schweizerischen Glarus. Schlözer verfasste eine Weltgeschichte und gilt zudem als Wegbereiter der slawischen Sprachwissenschaft (indirekt auch Wortführer der neueren Untersuchungen zu den Sprachen finno-ugrischen Ursprungs - Abgrenzung der finno-ugrischen (Ungarisch, Lappisch, Finnisch, Estnisch) von den slawischen Sprachen (Slowakisch). Schlözer unternahm längere Studienreisen (so nach Frankreich, Italien und in die Schweiz). Seine Erlebnisse und Ideen, die er während der Reisen gewann, dokumentierte er in zahlreichen Beschreibungen.

Ehrungen

Literatur

  • J. Tibensky, Schlözers Bedeutung für die Ansichten über die Slawen. In: Lomonosov, Schlözer, Pallas 228-244;
  • Ferdinand Frensdorff: Schlözer, August Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 31, S. 567-600 (Digitalisat)
  • Martin Peters: Altes Reich und Europa. Der Historiker, Statistiker und Publizist August Ludwig (v.) Schlözer (1735–1809). Lit, Münster u. a. 2003, ISBN 3-8258-6236-4 (zugl. Dissertation der Universität Marburg, 2000)
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XII, Band 125 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2001, ISSN 0435-2408;
  • F. Fürst: A. L. Schlözer, ein deutsch. Aufklärer im 18. Jh. (Heidelberg 1928).

Weblinks


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